Warum sollten wir uns auch bei der Arbeit Gedanken über unsere Beziehungen machen?

Kürzlich habe ich mich mit dem Thema Kommunikation und Feedback beschäftigt. Dort bin ich auf folgenden Satz gestoßen: „Feedback steht jedem Menschen zu, da uns jede Form von Rückmeldungen Orientierung geben.“ Forschungen haben gezeigt, dass junge Menschen, die in Isolation aufwachsen, sich selbst gar nicht kennenlernen können. 

Wir brauchen die Reibung und die Spiegelung an anderen Menschen, um uns unserer selbst bewusst zu werden. Konkret bedeutet das, wir brauchen Beziehungen!
Diese Tatsache haben wir im Privaten schon lange akzeptiert: wir leben in Familien, in Partnerschaften, haben eine Clique, eine beste Freundin, einen besten Freund...

Aber warum werden Beziehungen auch in unserem Berufsalltag immer wichtiger?

Althergebrachte Strukturen, die über lange Zeit Bestand hatten, werden immer weniger wichtig. Zum Beispiel: die Führungskraft, die die Kommunikation sternförmig zu den Mitarbeitern kanalisiert hat und im Zentrum der Kommunikation stand, wird immer seltener. Stattdessen arbeiten viele Teams selbstorganisiert in wechselnden Rollen und unterschiedlichsten Entscheidungsstrukturen, die sich im Extremfall je Entscheidung neu formieren. Da werden plötzlich gute Beziehungen zwischen allen Kolleginnen und Kollegen relevant – oft auch über Abteilungs- und Teamgrenzen hinweg. Es ist wichtig, dass sich alle auf Augenhöhe begegnen, eine achtsame Kommunikation pflegen und sich gegenseitig Feedback geben. Nur so entsteht ein wirksames Team. Ein selbstorganisiertes Team kann es sich nicht leisten, dass sich zwei Teammitglieder nicht ausstehen können. Früher, als die Kommunikation fast ausschließlich bilateral über den Chef oder die Chefin lief, wäre so ein Fall nicht ganz so stark ins Gewicht gefallen.

Was kann ein Team tun, um gute Arbeitsbeziehungen zu fördern?

Zunächst einmal ist es wichtig, die Beziehungspflege innerhalb eines Teams als Teil der Arbeit anzuerkennen. 

Beziehungen sind das Dazwischen, sie sind schwer greifbar. Wie kann man sie dann pflegen? Sie bestehen im Wesentlichen aus den zwei Wertepaaren ‚Sicherheit und Geborgenheit‘ sowie ‚Wachstum und Entfaltung‘.

Das erste Wertepaar ‚Sicherheit und Geborgenheit‘ beschreibt, ob ich mich auf mein Gegenüber verlassen kann und umgekehrt. Reagiere ich bzw. mein Gegenüber in vergleichbaren Situationen berechenbar? Um diese Verlässlichkeit für mein Gegenüber zu gewährleisten, muss ich mit mir selbst sehr auf der Hut sein: denn wir haben alle unsere Reizthemen. Bei diesen Themen ist es wichtig, nicht in ein Reiz-Reaktions-Schema zu verfallen und – weil ich mich im Autopiloten befinde - unbewusst in Vorwürfe und Schuldzuweisungen zu verfallen. Das erfordert eine sehr starke Selbstfürsorge und Selbstwahrnehmung, um jederzeit achtsames Reagieren und Kommunizieren sicherzustellen. 

Das zweite Wertpaar ‚Wachstum und Entfaltungen‘ beschreibt die Feedbackkultur, die zwischen zwei Personen bzw. im Team herrscht. Die entscheidende Frage ist: können sich die beiden Personen gegenseitig dabei unterstützen sich weiterzuentwickeln, indem sie sich regelmäßig wertschätzendes Arbeitsfeedback geben? Wertschätzend heißt in diesem Fall nicht nur positives Feedback, sondern auch konstruktives. Achtsames Feedback ist oft eng an die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg angelehnt. 

Beziehungspflege bedeutet auch Verantwortung für die Beziehung zu übernehmen. Störungen auf der Beziehungsebene gehören zeitnah angesprochen. So werden Konflikte vermieden. Auch hier gilt wie beim Arbeitsfeedback: Anschuldigungen sind tabu, stattdessen beschreibe ich eine Beobachtung und was diese mit mir und meinen Empfindungen gemacht hat. 

Mein Fazit: Ja, Gefühle und Empfindungen gehören auch in den Arbeitsalltag. Denn es gibt keine Beziehungen ohne Gefühle. 


Nachsatz: Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg
Vor allem bei kritischem Feedback ist es wichtig, dass die Feedbackgeber:in folgenden vier Schritten folgt:

  1. Sie beschreibt die entsprechende Beobachtung ganz ohne Wertung
  2. Sie benennt ihre eigenen Gefühle – Selbstoffenbarungsebene
  3. Sie benennt ihre eigenen Bedürfnisse in der beschriebenen Situation
  4. Sie spricht eine Bitte oder einen Wunsch aus


Dieser Text erschien zuerst in meinem Newsletter „Innovation am Mittwoch“. Der Newsletter erscheint jeden zweiten Mittwoch – Hier können Sie ihn abonnieren


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Andrea SchmittInnovationstrainerinAm Mittelpfad 24a65520 Bad Camberg+49 64 34-905 997+49 175 5196446

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